Glücklich satt in Bangkok

Geschrieben von Claudius Wirz am 28.01.2020 in der Kategorie Kulinarik

Bangkok vibriert, die Restaurant-Szene der thailändischen Hauptstadt boomt. Manch ein ausgewanderter Koch ist deswegen aus dem Ausland zurückgekehrt, andere sind extra dafür hergekommen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sich das Geschmackswunder etwas genauer anzuschauen.

Kreative Gourmetküchen

Ian Kittichai ist einer der Väter der neuen Thaiküche. Er war der erste thailändische Küchenchef in einer internationalen Hotelkette, führte erfolgreich ein Thai-Restaurant in New York, veröffentlichte Kochbücher und war Juror bei einer Fernsehkochshow. In seinem Restaurant Issaya Siamese Club in einer wunderschönen Kolonialstil-Villa serviert er moderne, freche Varianten von Thaiklassikern wie Pomelosalat mit Crevetten oder Massaman Curry. Zudem ist da Bee Satongun, eine der besten weiblichen Küchenchefs Asiens. In ihrem edlen Restaurant Paste zelebriert sie alte Thai-Rezepte, wie sie am Königshof serviert wurden, in ultramoderner Variante. Die Inspiration dazu holt sie sich oft aus historischen Büchern. Die Resultate sind ein Augen- und Gaumenschmaus! Auch Nahms Küchenchefin Pim Techamuanvivit im Como Metropolitan Hotel paart innovative Küche mit vergessen geglaubtem Wissen aus alten Rezeptbüchern. Etwa ein hervorragendes rotes Entencurry oder ein scharfes Chiang Mai Perlhuhn-Larp. Gemüse und Kräuter, die sie nicht auf dem Markt findet, pflanzt sie auf dem Hoteldach kurzerhand selbst an.

East meets West

Ihr erstes Restaurant in Phuket wurde vom Tsunami weggespühlt. Dann lebte Fae Rungthiwa 12 Jahre in Dänemark. Heute ist sie Küchenchefin im Restaurant Front Room des luxuriösen Hotels Waldorf Astoria. Dort verbindet sie die Philosophie der europäischen Nordic Cuisine mit der thailändischen Küche zu einem hochspannenden Erlebnis. So bäckt sie etwa ein Sauerteigbrot aus einem Klebreismehl und fermentiert ihre eigene Sojasauce, die sie mit Butter mischt und zum Brot serviert. Der Mut, mitten in Bangkok ein Restaurant mit deutscher Gourmetküche zu eröffnen, hat sich für die Zwillingsbrüder Matthias und Thomas Sühring gelohnt. Inzwischen gehören sie zu den 50 besten Restaurants Asiens und wurden von Michelin mit zwei Sternen ausgezeichnet. Bei ihnen kommen Mini-Leberkäse auf Mini-Bretzel mit Mini-Ei und Mini-Radler, Entenleber-Hanuta und hausgemachtes Sauerteigbrot mit über Apfelholz geräucherter Butter auf den Tisch. 100 Mahaseth heisst eine der momentan angesagtesten Adressen der Stadt. Das Restaurant von Chalee Kader, der in Kalifornien gelebt hat, bietet feinste thailändische Nose-to-tail-Philosophie, wie sie in europäischen Städten bereits gang und gäbe ist. Es lohnt sich, etwa Schweineherz auf Dill-Koriander-Salat oder über dem Feuer geröstete Rinderknochen zu bestellen.

Barfreuden

Die Gegend um die Soi Nana in Chinatown ist ein Nachteulen-Eldorado. Eine coole Bar reiht sich an die andere. So etwa die zweistöckige Tep Bar mit grandiosen Drinks und regelmässigen Konzerten oder die chinesisch inspirierte Ba Hao, wo – als Geheimtipp – ein herrliches Koriander-Glace serviert wird. Und für ein letztes Singha Bier vor der verdienten Bettruhe geht es auf die gemütliche Dachterrasse des Wallflower Cafés.

Fazit: Die Landesküche wird in der Hauptstadt gerade mal wieder neu erfunden. Hochspannende Konzepte sind dabei entstanden. Also, ab nach Bangkok, um sich von enorm interessanten, vielschichtigen Gerichten und betörenden Geschmackserlebnisse verzaubern zu lassen.

Claudius Wirz
Claudius Wirz
am 28.01.2020 in der Kategorie Kulinarik

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