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Toskanische Impressionen

Walter Weber

Die Toskana ist sicherlich eine der bekanntesten und kulturell interessantesten Regionen Italiens. Gerade Florenz, mit  Michelangelo‘s David, Botticelli‘s Venus oder all den Renaissance Palazzi ist eines der beliebtesten Reiseziele für Kulturreisende. In der Nähe von Florenz finden sich darüber hinaus einige weitere Städte, welche ebenfalls einen Besuch wert sind und bequem mit dem Zug, Bus oder auch einem Mietwagen erreicht werden können.

Lucca – historische Altstadt mit Überraschungseffekt

Lucca – etwa 20 km nordöstlich von Pisa gelegen – verfügt noch heute über eine vollständig erhaltene, inzwischen begrünte, Stadtmauer, über die man wahlweise rund um die historische Altstadt flanieren oder joggen kann. Unbedingt besteigen sollte man den Turm des Palazzo Guinigi. Der besticht durch seine herrliche Aussicht aber auch durch die Tatsache, dass zuoberst auf dem Dach Bäume angepflanzt worden sind. Normalerweise eher ein beschaulicher Ort mutiert die Stadt am letzten Oktoberwochenende zum Mekka von Comicfans aus ganz Italien und darüberhinaus. Die Lucca Comics & Games als grösste Comic Convention Europas zog dieses Jahr 240‘000 Besucher an. Einige davon, so auch ich, wurden allerdings auch eher zufällig Zeugen dieses Spektakels.

Unbedingt probieren: coniglio alla luccese

Unbedingt probieren: coniglio alla luccese

 

Ausblick vom Turm des Palazzo Guinigi.

Ausblick vom Turm des Palazzo Guinigi.

Siena – Die Gotische Perle

Ein Muss – nicht nur für passionierte Rolltreppenfahrer – ist ein Besuch von Siena. Speziell ist die Ankunft insbesondere für Bahnreisende, liegt doch der Bahnhof im Tal und die historische, wesentlich höher gelegene, sich mehrheitlich im Gotischen Stil präsentierende Altstadt, kann bequem über eine Serie von Rolltreppen erreicht werden. Eindrücklich ist vor allem der vielleicht grösste rote Platz westlich von Moskau, die Piazza del Campo, auf welchem auch 2x im Jahr der berühmte Palio di Siena stattfindet. Auf keinen Fall verpassen darf man den Aufstieg auf den 102 m hohen Torre del Mangia, den Turm des direkt am Platz gelegenen Rathauses, auch wenn dieser für nicht ganz Schwindelfreie wie mich einer echten Mutprobe gleichkommt und nur bei schönem Wetter geöffnet werden kann. Der Blick über die ganze Stadt entschädigt für die Mühen.

Blick auf die Piazza del Campo

Blick auf die Piazza del Campo

Etwas weniger hoch in den Himmel ragt der Turm des Domes, welcher einer der bedeutendsten gotischen Kirchen Italiens ist. Sehr gefallen haben mir aber vor allem auch die vielen engen Gassen im weitgehend autofreien Zentrum. Die Monte dei Paschi di Siena im Palazzo Salimbeni wurde 1472 gegründet und ist damit die älteste noch existierende Bank der Welt.

Fiesole – das ursprüngliche Florenz

Ganz in der Nähe von Florenz und bequem mit dem Linienbus (Nr. 7 von der Piazza San Marco) zu erreichen, liegt – hoch über der Stadt – Fiesole. Bereits in etruskischer Zeit gegründet und einst sogar bedeutender als Florenz, hat man von hier einen wunderbaren Blick nicht nur auf die Stadt sondern auch über eine grossartige Kulturlandschaft mit Olivenbäumen und Weinreben. Eindrücklich fand ich auch das Kloster San Francesco. Hier wird ersichtlich, weshalb man von Mönchszellen spricht und man fühlt sich in die Zeit von Franz von Assisi zurück versetzt. Im angeschlossenen Missionsmuseum kann man zudem ein Sammelsurium von etruskischen Amphoren, chinesischem Porzellan bis hin zu einer ägyptischen Mumie bewundern. Ebenfalls sehenswert ist der Markt auf welchem, nebst einheimischen Spezialitäten, auch fast „antike“ Schreibmaschinen oder Telefone angeboten wurden.

Marktstand in Fiesole.

Marktstand in Fiesole.

Florenz

Auch Florenz selbst hat, nebst den Uffizien oder der Accademia, welche natürlich zum Pflichtprogramm gehören, selbstverständlich einiges mehr zu bieten. So verfügt die Stadt mit den Gardini di Boboli und Bardini über ausgedehnte Grünanlagen unmittelbar beim Zentrum. Bunt geht es auch auf den Strassen zu und her. Zahlreiche Strassenkünstler buhlen um die Aufmerksamkeit und den einen oder anderen Euro der Passanten.

Strassenkünstler bei der Erstellung eines temporären Raffaellos

Strassenkünstler bei der Erstellung eines temporären Raffaellos

Basilica di Santa Croce

An kaum einem anderen Ort haben so viele bedeutende Persönlichkeiten ihre letzte Ruhe gefunden wie in der Basilica di Santa Croce. So finden sich hier die prächtig gestalteten Grabmäler von Michelangelo – ohne seinen David und all die anderen Arbeiten die er in der Stadt als Bildhauer, Maler oder Architekt hinterlassen hat, wäre Florenz nicht Florenz, von Gioachino Rossini – der einige der schönsten und zeitlosesten Opern schrieb, von Niccolò Machiavelli – dessen Il Principe schon manche Karriere begründete, von Gugliemo Marconi – der uns mit dem Funk beglückte oder von Galileo Galilei – der die Astronomie und letztlich auch die Kirche reformierte.

Palazzo Vecchio

Wer es noch etwas morbider mag, kann auch auf die vor dem Palazzo Vecchio mit einer Gedenktafel markierte Stelle treten, wo einst vor über 500 Jahren Girolamo Savonarola verbrannt wurde, weil er den Florentinern die Freude an den schönen Dingen des Lebens missgönnte. Der Palazzo Vecchio kann natürlich auch besucht werden. Trotz seines Namens werden die Räumlichkeiten, und insbesondere der sogenannte Saal der Fünfhundert nachwievor für Veranstaltungen genutzt und wenn man Glück hat, kann man die Politiker nicht nur auf den alten Gemälden sehen sondern auch live.

Saal der Fünfhundert mit u.a. Romano Prodi

Saal der Fünfhundert mit u.a. Romano Prodi

Selbstverständlich hat Florenz auch kulinarisch einiges zu bieten. Um den Tag ausklingen zu lassen kann ich die Mangiafoco Weinbar empfehlen. Unweit der Ponte Vecchio, jedoch etwas versteckt an der borgo s.s apostoli gelegen (Nr. 26) und deshalb vor allem von Einheimischen und Kennern frequentiert, kann man dort nicht nur exzellente toskanische Weine geniessen, sondern auch verschiedene lokale Spezialitäten probieren. Nicht verpassen sollte man auch die hausgemachten Dolci.

Prosciutto-Plättli in der Mangiafoco Weinbar

Prosciutto-Plättli in der Mangiafoco Weinbar

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Verfasst am 15.01.2015 Walter Weber
Veröffentlicht in Kunst & Kultur
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