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Böhmische Entdeckungen

Walter Weber

Tschechien, das ist für viele gleichbedeutend mit einem Städtetrip nach Prag. Dies lohnt sich auf jeden Fall. Wer etwas länger Zeit hat oder wie ich, nicht nur in Einerkolonne über die Karlsbrücke oder zur Burg hoch marschieren möchte, demjenigen empfiehlt sich die Stadt auch als idealer Ausgangspunkt um weitere Ziele in der Umgebung zu entdecken.

Pilsen  – mehr als “nur“ Bierkultur

Ein solcher Tipp ist sicherlich Pilsen, von Prag mit dem Zug in 1h 35 Minuten zu erreichen. Wie wahrscheinlich den meisten, war auch mir die kleinere Stadt (etwa 170’000 Einwohner) vorab als Ursprungsort des gleichnamigen Bieres bekannt. Dem Besucher wird jedoch nicht „nur“ Bierkultur geboten, sonst hätte man den Ort kaum zur europäischen Kulturhauptstadt für 2015 gewählt. Natürlich lohnt sich aber ein Besuch des Braumuseums oder ein Rundgang durch die Brauerei allemal. Eine Verkostung darf natürlich nicht fehlen, dazu kann ich das U Salzmann?, das älteste Restaurant der Stadt empfehlen, wo schon Vaclav Havel zu Gast war und selbstverständlich auch traditionelle Tschechische Gerichte genossen werden können.

Eine traditionelle tschechische Mahlzeit: Sví?ková: Lendenbraten mit sämiger Rahmsauce, Preiselbeehren und Böhmischen Knödeln.

Eine traditionelle tschechische Mahlzeit: Sví?ková: Lendenbraten mit sämiger Rahmsauce, Preiselbeehren und Böhmischen Knödeln.

Im Biermuseum in Pilsen.

Im Biermuseum in Pilsen.

Ganz ein anderes Bild der Stadt erlebt man auf dem nur geführt möglichen Rundgang durch den Untergrund der Stadt. Der Rundgang startet im Braumuseum und besteht aus einem eindrücklichen Labyrinth aus Gängen, Kellern und Brunnen. Trotz warmer Kleidung kam ich da doch etwas ins frösteln, steigt doch die Temperatur kaum über 6°.

Liberation Festival

Eine spezielle Atmosphäre herrscht jedes Jahr Anfang Mai. Manch unvorbereitetem Touristen mag Angst und Bange werden, ob der Invasion von Militärfahrzeugen und Uniformen in der ganzen Stadt. Doch keine Angst, beim Liberation Festival wird alljährlich die Befreiung der Stadt 1945 durch General Patton gefeiert. Danach kamen die Russen – und mit Ihnen die Plattenbaukultur, welche die Innenstadt jedoch glücklicherweise verschont hat, dort prägen zumeist renovierte Jugendstilgebäude oder solche im Neoklassizistischen Stil das Bild – so dass das Festival dieses Jahr „erst“ das 25. jährige Jubiläum erlebt hat.

Ein Militärfahrzeug am Liberation Festival.

Ein Militärfahrzeug am Liberation Festival.

Der Hauptplatz von Pilsen ist wie in Böhmen üblich von beträchtlicher Grösse, es wurden dort schon immer Märkte und Messen abgehalten. So wurde der Platz denn auch während meines Besuchs während des Liberation Festivals für die Präsentation der verschiedenen historischen Militärfahrzeuge sowie als Konzertbühne gebraucht. An einem so patriotischen Anlass wird dann selbstverständlich nur tschechisch gesungen, inkl. „Let it be“ von den Beatles. Eindrücklich!

Ein Konzert während dem Liberation Festival.

Ein Konzert während dem Liberation Festival.

Kathedrale, Synagoge  und Fussballstadion

Wieder am Tageslicht sollte man sich die Stadt auch von oben ansehen. Dazu empfiehlt sich der Turm der St. Bartolomäus-Kathedrale mitten auf dem Hauptplatz. Mit 102.6 Metern ist er der höchste Kirchturm Böhmens, die Aussichtsplattform ist allerdings auf einer Höhe von 60 Metern, was die Aussicht auf die Stadt jedoch keineswegs beeinträchtigt. Die Kathedrale selbst ist ein nationales Kulturdenkmal im gotischen Stil mit einem berühmten Hauptaltar, der Pilsner Madonna. Eine architektonische Perle ist ebenfalls die Synagoge, bei der es sich nach derjenigen in Jerusalem und Budapest tatsächlich um die drittgrösste der Welt handelt!

Die Synagoge.

Die Synagoge.

Zwischen der Altstadt und der Brauerei, welche zu Fuss in 10 Minuten erreicht werden kann, befindet sich ebenfalls das Stadion von Victoria Pilsen. Vielleicht kann man dort auch künftig wieder als günstigere Alternative zu Barcelona UEFA Champions League Spiele anschauen.

Die Altstadt von Pilsen.

Die Altstadt von Pilsen.

Kutná Hora – UNSESCO-Welterbe und Beinhaus

Noch etwas näher bei Prag (70 km entfernt) liegt Kutná Hora, ebenfalls bequem per Zug erreichbar. Einst die zweitgrösste Stadt Böhmens zählt der Ort heute etwa 20’000 Einwohner. Die Altstadt gilt als UNESCO-Welterbe, dies wohl nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Kirchen, welche von Gotik über Barock bis Rokoko eine sehr grosse architektonische Vielfalt auf kleinem Raum präsentieren. Besonders gefallen hat mir der gotische Dom der heiligen Barbara bei nächtlicher Beleuchtung.

Die Altstadt von Kutná Hora in der Nacht.

Die Altstadt von Kutná Hora in der Nacht.

Etwas ausserhalb der Stadt in Sedlec und gleich beim Bahnhof befindet sich das berühmt/berüchtigte Beinhaus das sogenannte Sedletz-Ossarium. Knochen von etwa 40’000 Verstorbenen wurden hier zu verschiedenen Figuren zusammengesetzt. Der „Kronleuchter“ enthält der Legende nach von jedem menschlichen Knochen im Körper mindestens ein Exemplar. Ursache für die eher ungewöhnliche Bestattungsform war übrigens Platzmangel, da aufgrund des einst für den Ort prägenden Bergbaus, und angesichts der Pest nicht genügend Platz für eine Friedhofsvergrösserung bestand. Selbstverständlich darf auch ein Souvenirshop nicht fehlen, der allerlei gruselige bis makabere Mitbringsel anbietet. Ebenfalls ein Besuch Wert ist die in Fussdistanz liegende Kathedrale in Sedlec.

Innerhalb des Beinhauses in Kutná Hora

Innerhalb des Beinhauses in Kutná Hora

Tschechisch

Während viele jüngere Leute sehr gut Englisch sprechen, trifft dies auf die meisten Angestellten der Tschechischen Bahn oder das Verkaufspersonal in kleineren Verkaufsgeschäften weniger zu. Auch in Prag selbst habe ich dies abseits von den touristischen Hotspots so erlebt. Einige mühsam gelernte Sätze auf Tschechisch haben mir deshalb gut geholfen mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen.

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Verfasst am 03.07.2014 Walter Weber
Veröffentlicht in Kunst & Kultur
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